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Press Release

14.03.2008


IDC: Microsoft adressiert mit Software-plus-Service- Strategie den europäischen Massenmarkt

Microsoft bietet sein Office Live Workspace Beta-Programm jetzt auch in Europa an. Dieser derzeit noch kostenlose Online Storage Service für Einzelanwender adressiert vor allem die Zielgruppe der Information Workers und Studenten.

Mit Office Live Workspace (OLW) können alle Arten von Dokumenten abgelegt werden, auch Nicht-Microsoft-Formate. Einzige Einschränkung: Bestimmte Dateitypen (z.B. ausführbare EXE-Dateien) sind nicht erlaubt. Für Dokumente in Microsoft-Formaten gibt es zudem einen Online Viewer, mit dem Dokumente gesichtet werden und um Kommentare auf Dokumenten- und Seitenebene ergänzt werden können. Nutzer können ihren Desktop und 25 Dokumente in einer kollaborativen Sitzung bis zu 15 weiteren Nutzern zugänglich machen (eine abgespeckte Version der LiveMeeting-Funktionalität). Auch Plug-ins für neuere Microsoft Office Versionen sind zum Herunterladen verfügbar; damit kann der OLW für die Speicherung und Auffindung von Dokumenten direkt aus diesen Applikationen genutzt werden. Allerdings ist es nicht möglich, Dokumente online zu erstellen bzw. zu bearbeiten.

„Mit diesem Schritt scheint Microsoft den bereits existierenden Service für Nordamerika einfach auf den europäischen Markt auszudehnen“, stellt Rüdiger Spies, Independent  Vice President Enterprise Applications bei IDC fest. Doch es steckt noch mehr dahinter.

Das Angebot ist der erste reelle Schritt hin zum Ausbau der Software-plus-Service-Strategie von Microsoft, um den europäischen Massenmarkt mit Abermillionen von potenziellen Anwendern zu adressieren. Praktisch jeder, der mit Office XP, 2003 oder 2007 arbeitet, kann (nach Einrichtung eines Kontos) seine Dokumente aus Office-Applikationen online ablegen und darauf zugreifen (die Dokumente müssen nicht erst gespeichert und in einem Extraschritt hochgeladen werden). Da Microsoft den Office-Markt beherrscht, kann eine sehr große Anzahl an Information Workers nun direkt die Möglichkeit des virtuellen Storage nutzen.

Die Software-plus-Service-Strategie kann eine elegante Möglichkeit für Microsoft sein, auf den Software-as-a-Service-Zug (SaaS) aufzuspringen, ohne dadurch seine Softwareprodukte obsolet bzw. überflüssig zu machen, und Office Live ist das Aushängeschild dieser Strategie. Nutzer haben damit einen sicheren webbasierten Speicherservice für ihre Dokumente (auch für Spreadsheets und Präsentationen) zur Hand und können diese für die Online-Zusammenarbeit freigeben, ohne auf die umfangreichen Möglichkeiten für die Dokumentenerstellung und -bearbeitung ihrer vorhandenen Microsoft Office Produkte verzichten zu müssen. Natürlich ist dafür ein Internetanschluss erforderlich, aber angesichts der in den meisten Ländern ziemlich guten Abdeckung mit kabelgebundenen Internetanschlüssen für Privathaushalte und im professionellen Arbeitsumfeld und der zunehmenden Nutzung von drahtlosen Internetanbindungen dürfte dies der Akzeptanz nicht im Wege stehen.

Die Online-Speicherung von Dokumenten ist aus mehreren Gründen attraktiv. Zum einen müssen Information Workers Dokumente nicht mehr per Email verschicken oder auf USB-Sticks mit sich herumschleppen, sei es nun für die gemeinsame Nutzung mit anderen oder für die Arbeit an verschiedenen Standorten. Verglichen mit USB-Sticks oder Email sind der Online-Storage und die Online-Freigabe eine sehr viel elegantere Lösung, nicht zuletzt deshalb weil dadurch das Risiko, unterschiedliche Versionen desselben Dokuments zu erstellen, gemindert wird.

Allerdings sind im Markt jede Menge Online-Storage-Angebote verfügbar, die meisten auch noch kostenlos (zumindest wenn man nur minimale Speicherkapazitäten in Anspruch nimmt), doch der wesentliche Punkt beim OLW ist die enge Verknüpfung des Online-Storage mit den am meisten genutzten Office-Applikationen. Durch das Add-on für die Office-Suite ist die Nutzung des Online-Speichers nicht viel aufwändiger als das Speichern auf einer lokalen Festplatte oder einem LAN-basierten Speichermedium – ein interessantes Angebot für all diejenigen, die von unterschiedlichen Standorten aus arbeiten; durch die zusätzlichen Collaboration-Möglichkeiten gewinnt es noch weiter an Attraktivität.

Die Verfügbarkeit von OLW als Service auch für Einzelpersonen in Unternehmen (und nicht den Arbeitgeber) ist nach wie vor problematisch, geht es dabei doch darum, dass Dokumente außerhalb der Unternehmens-Firewall abgelegt werden können, wo die firmeninternen Vorgaben für die Dokumentenkontrolle nicht greifen und nur der einzelne Nutzer die alleinige Kontrolle hat. Die Reaktionen von IT-Abteilungen und Governance-Beauftragten werden unterschiedlich sein; mancher sieht es als das kleinere von vielen Übeln an, die Meisten leisten erbitterten Widerstand. Doch auch wenn das Sicherheitsniveau von OLW vom Passwort des jeweiligen Nutzers abhängig ist, ist die Sicherheit immer noch erheblich höher als im Falle eines verloren gegangenen oder gestohlenen Laptops oder USB-Sticks.

Eine weitere Konsequenz (und sicherlich beabsichtigt): OLW motiviert Einzelanwender (wenn auch nicht Unternehmen), Microsoft Office auch in Zukunft treu zu bleiben und schließlich auf Office 2007 aufzurüsten. Auch wenn Microsoft hier nicht sehr verwundbar erscheint, gibt es doch billigere oder sogar kostenlose direkt vergleichbare Ersatzlösungen wie OpenOffice und Webnative von Google, Zoho, IBM und anderen Anbietern, die sich mit jedem Update stärker durchsetzen. Microsoft kann sich nicht darauf verlassen, dass Unternehmensanwender in naher Zukunft aufrüsten oder Microsoft wirklich die Treue halten.

IDC geht davon aus, das OLW bei den Information Workers auf Interesse stoßen wird. Man kann mit OLW Dokumente – im Gegensatz zu Konkurrenzangeboten -  zwar nicht online bearbeiten, setzt damit aber durchaus gegen attraktive Features für Knowledge Workers, wie sie Tools wie z.B. Google Docs und Zoho Writer bieten. Zudem hat OLW das Potenzial, einige attraktive Features der „unternehmensfähigen“ Services für Google Docs von Capgemini zu untergraben. OLW leistet einen erfolgreichen Beitrag, um Microsoft Office auch für die Online-Nutzung zu empfehlen und ganz allgemein die Online-Speicherung von Dokumenten für den professionellen Einsatz zu etablieren; das kommt indirekt auch anderen Marktteilnehmern wie Google und Zoho zugute. Die Ankündigung der Verfügbarkeit von OLW in Europa ist also nicht nur eine schlechte, sondern durchaus auch eine gute Nachricht.

Bildhinweis:
Die Biografie von Rüdiger Spies finden Sie unter dem nachstehenden Link:

http://www.idc.com/germany/about/ruediger_spies.jsp


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